Wärmepumpe

Wie groß muss meine Wärmepumpe sein?

Die ehrliche Antwort lautet: Das sagt die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Die Größenordnung können Sie aber schon jetzt selbst bestimmen — aus dem Verbrauch, der auf Ihrer letzten Abrechnung steht.

Genau diese Zahl brauchen Sie, um ein Angebot zu prüfen. Denn der häufigste Fehler am Markt ist nicht die zu kleine, sondern die zu große Wärmepumpe.

Womit heizen Sie heute?
Welche Wärmepumpe, welche Vorlauftemperatur?

Überschlag, keine Auslegung. Maßgeblich ist die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831; erst sie berücksichtigt Bauteile, Luftwechsel und die tatsächliche Raumaufteilung. Der Verbrauch schwankt außerdem mit Witterung und Nutzerverhalten — ein einzelnes Jahr kann um zehn bis zwanzig Prozent danebenliegen, deshalb besser drei Jahre mitteln. Die Jahresarbeitszahl ist ein Orientierungswert; förderrechtlich zählt die Berechnung nach VDI 4650 Blatt 1 für das konkrete Gerät.

Der Rechenweg, offengelegt

Damit Sie das Ergebnis einordnen können — und nachrechnen, wenn Ihnen jemand eine andere Zahl nennt.

  1. 01

    Endenergie

    Verbrauch mal Energieinhalt: Erdgas rund 10 kWh je m³, Heizöl 10 kWh je Liter, Pellets 4,8 kWh je Kilogramm.

  2. 02

    Nutzwärme

    Endenergie mal Nutzungsgrad der alten Anlage. Ein Kessel von 1990 verliert rund ein Fünftel, ein Brennwertgerät kaum etwas.

  3. 03

    Warmwasser abziehen

    Rund 800 kWh je Person und Jahr, sofern das Warmwasser über dieselbe Anlage läuft. Diese Wärme gehört nicht in die Heizlast.

  4. 04

    Durch die Vollbenutzungsstunden

    In Deutschland rund 2.100 Stunden im Jahr. Der Quotient ist die Heizlast in Kilowatt.

  5. 05

    Warmwasser wieder drauf

    Für die Geräteauswahl kommen etwa 0,2 kW je Person zurück — diesmal als Leistung, nicht als Arbeit.

  6. 06

    Auf 80 Prozent auslegen

    Monoenergetisch: Die Wärmepumpe deckt den Dauerbetrieb, der Heizstab die wenigen Spitzenstunden und die Legionellenschaltung.

Der teure Fehler ist die zu große Anlage

Eine überdimensionierte Wärmepumpe erreicht die Zieltemperatur zu schnell, schaltet ab, kühlt aus und startet erneut. Dieses Takten kostet Effizienz und Verdichter- lebensdauer. Eine knapp ausgelegte Anlage läuft stattdessen lange im effizienten Teillastbereich.

Verkauft wird trotzdem oft nach oben — größere Geräte sind teurer, und niemand will den Vorwurf hören, die Anlage sei zu klein. Deshalb ist die eigene Größenordnung das beste Werkzeug im Angebotsgespräch.

Und der größte Hebel ist die Vorlauftemperatur

Zwischen 55 °C und 35 °C liegt bei einer Luft-Wärmepumpe rund ein Drittel des Stromverbrauchs. Ob Ihr Haus mit weniger auskommt, hängt an der Heizfläche in jedem einzelnen Raum — und daran, ob der hydraulische Abgleich stimmt.

Häufig sind es zwei oder drei zu kleine Heizkörper, die das ganze System auf hoher Temperatur halten. Sie zu tauschen kostet einen Bruchteil dessen, was zwanzig Jahre schlechtere Arbeitszahl kosten. Worauf es bei der Wärmepumpe sonst noch ankommt.

Die Jahresarbeitszahl genauer rechnen

Der Wert in unserem Rechner ist eine Orientierung aus Wärmequelle und Vorlauftemperatur. Förderrechtlich zählt die Berechnung nach VDI 4650 Blatt 1 für Ihr konkretes Gerät. Wer sie selbst nachvollziehen will, findet beim Bundesverband Wärmepumpe einen Rechner, der genau diese Norm abbildet — mit Gerätedaten, Klimaregion und Speicherverlusten.

JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe ↗

Häufige Fragen

Wie groß muss meine Wärmepumpe sein?
So groß wie die Heizlast Ihres Gebäudes plus ein Zuschlag für die Warmwasserbereitung — und keinen Kilowatt größer. Die Heizlast lässt sich aus dem bisherigen Verbrauch überschlagen: Endenergie mal Nutzungsgrad des alten Kessels ergibt die Nutzwärme, davon den Warmwasseranteil abziehen, den Rest durch die Vollbenutzungsstunden teilen (in Deutschland rund 2.100 im Jahr). Für ein typisches unsaniertes Einfamilienhaus kommen so 8 bis 12 kW heraus, für ein gut gedämmtes Haus 4 bis 7 kW.
Warum ist eine zu große Wärmepumpe schlechter als eine knapp bemessene?
Weil sie taktet. Eine überdimensionierte Wärmepumpe erreicht die Zieltemperatur zu schnell, schaltet ab, kühlt aus und startet erneut. Jeder Start kostet Effizienz und Lebensdauer des Verdichters. Eine knapp ausgelegte Anlage läuft dagegen lange in einem effizienten Teillastbereich. Deshalb wird monoenergetisch auf etwa 80 Prozent der Auslegungsleistung dimensioniert — die Spitzenlast liegt nur an wenigen Tagen im Jahr an, und die deckt der Heizstab.
Braucht jede Wärmepumpe einen Heizstab?
In der Praxis ja. Er springt an den wenigen sehr kalten Tagen ein, an denen die Wärmepumpe allein nicht reicht, und er übernimmt die Legionellenschaltung im Warmwasserspeicher. Übliche Größen sind 3, 6 oder 9 kW. Wichtig ist die Regelung: Der Heizstab soll die Ausnahme sein, nicht der stille Dauerläufer, der die Stromrechnung erklärt.
Was hat die Vorlauftemperatur mit der Größe zu tun?
Mit der Größe direkt wenig, mit den Betriebskosten alles. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Jahresarbeitszahl: Zwischen 55 °C und 35 °C liegt bei einer Luft-Wärmepumpe rund ein Drittel des Stromverbrauchs. Deshalb lohnt es sich fast immer, vorher zu prüfen, ob einzelne Heizkörper zu klein sind — der Austausch von zwei oder drei Stück ist billiger als zwanzig Jahre höhere Stromkosten.
Welche Jahresarbeitszahl verlangt die Förderung?
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude verlangt in Nummer 3.4.6, dass Wärmepumpen so ausgelegt werden, dass mindestens eine Jahresarbeitszahl von 3,0 erreicht wird. Nachzuweisen ist sie nach VDI 4650 Blatt 1 in der Fassung 2019-03, bezogen auf das konkrete Gerät. Der Wert in diesem Rechner ist eine Orientierung und ersetzt diese Berechnung nicht.
Reicht der Verbrauch eines einzelnen Jahres?
Besser sind drei. Der Verbrauch hängt an der Witterung und am Nutzerverhalten; ein mildes oder strenges Jahr weicht schnell um zehn bis zwanzig Prozent ab. Wer nur ein Jahr hat, sollte wissen, dass die Zahl entsprechend unscharf ist. Für eine belastbare Auslegung wird ohnehin raumweise nach DIN EN 12831 gerechnet, nicht aus dem Verbrauch.

Angebot in der Hand? Schicken Sie es uns

Wir prüfen wöchentlich Wärmepumpenangebote und sehen dieselben Fallstricke immer wieder: zu groß ausgelegt, Vorlauftemperatur nicht geklärt, hydraulischer Abgleich als Alibi-Position. Schicken Sie uns Ihr Angebot an kuehl@elbmodsan.de — Sie hören innerhalb von zwei Werktagen, ob die Auslegung trägt.